Gehörschutzartikel

Die schädliche Wirkung von Lärm nicht nur auf das Hörvermögen, sondern auch auf die psychische und körperliche Gesundheit des Menschen ganz allgemein, ist seit langem bekannt. Andauernde, hohe Lärmbelastungen führen allmählich unbemerkt zu Schwerhörigkeit, Erhöhung der Pulsfrequenz und des Blutdrucks, zu Verdauungsstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Nervosität und zu anderen negativen Erscheinungen, die die Leistungsfähigkeit, die Konzentrationsfähigkeit und das Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Nach Erhebungen der SUVA dürften in unserem Lande ca. 200 000 Arbeitnehmer einem gehörschädigenden Lärm ausgesetzt sein. Knapp 10% davon haben bereits Anzeichen von Gehörschäden, und bei 3% muss die Gehöreinbusse als erheblich bezeichnet werden. Die Lärmschwerhörigkeit ist die weitaus am meisten verbreitete Berufskrankheit.

Das Ausmass der Schädigungen hängt vom Schalldruck, der Tonfrequenz und vor allem von der Einwirkungszeit ab, kaum jedoch von der individuellen Belastbarkeit. Im vom Menschen hörbaren Frequenzbereich von 20 bis 20 000 Hertz reagiert das Ohr am empfindlichsten im Bereich von 1000 bis 4 000 Hertz, während Lärm tieferer und höherer Frequenzen weniger schädlich ist.

Als Mass für den Schalldruck wurde, der grossen Spannweite möglicher Intensitäten wegen, eine logarithmische Skala aufgestellt, deren Messeinheit das Dezibel (dB) ist. Mit der Abkürzung dB(A) bezeichnet man die Lautstärke, die auf das menschliche Ohr auftrifft, wobei dieses eine Zunahme von 10 dB(A) als ungefähre Verdoppelung der Lärmintensität wahrnimmt. Als gehörschädigend wird hierzulande ein Geräuschpegel von 85 dB(A) und mehr angesehen. Beispiele einiger typischer Geräuschpegel, wobei Abweichungen möglich sind:

120 dB Schmerzgrenze
105 dB Benzinkettensäge
100 dB Presslufthammer, Tischkreissäge, Handkreissäge
95 dB Hobel- und Kehlmaschine, Webmaschine, Schleifmaschine, Grabenstampfer, Schlagschere, Kompressoren
90 dB Plattenverdichter, Ringspinn- und Zwirnmaschinen
85 dB Motorrasenmäher, Bau-Kompressor
80 dB Werkzeugmaschinen
70 dB CNC-Werkzeugmaschinen, Strassenverkehr
65 dB Unterhaltung
50 dB Geräusche in einem Büro
0 dB Hörschwelle

 

In erster Linie wird es immer darum gehen, durch technische Massnahmen die Lärmbelastung zu reduzieren. Wo dies nicht oder nur ungenügend möglich ist, sollte das Tragen eines individuellen Gehörschutzes zur Selbstverständlichkeit werden. Zur Auswahl stehen Kapselgehörschützer, Gehörschutzstöpsel und Gehörschutzbügel, wobei es unwesentlich ist, welches dieser Mittel benützt wird; erheblich wichtiger ist es, dass der Gehörschutz gerne und regelmässig getragen wird und dass der betreffende Lärmpegel unter 85 dB(A) gesenkt wird. Andererseits ist eine übermässige Dämpfung mit einem Geräuschpegel am Ohr von weniger als 70 dB(A) unerwünscht, da die Wahrnehmung von Sprache und Geräuschen unnötigerweise zu stark eingeschränkt würde (Überprotektion).

Die SUVA definiert die Lärmgrenzwerte wie folgt:

«Bei Lärmbelastungen von 85 dB(A) und mehr muss der Arbeitgeber Gehörschutzmittel zur Verfügung stellen. Das Tragen von Gehörschutzmitteln ist empfohlen, wenn an einzelnen Tagen der Lärmexpositionspegel LEX 85 dB(A) übersteigt. Das Tragen von Gehörschutzmitteln ist obligatorisch, wenn der Lärmexpositionspegel (gemittelt über die Jahresarbeitszeit) 85 dB(A) und mehr beträgt. Bei Impulsereignissen (Sprengungen, Schiesslärm) ist bei jedem Ereignis das Gehör zu schützen.»

In der Schweiz ist in nächster Zeit nicht mit einer Anpassung an die neue EU-Richtlinie Nr. 2003/10/EG zu rechnen.

Um die Auswahl des geeigneten Gehörschutzmittels zu ermöglichen, wurde für jedes aufgrund eines anerkannten Prüfverfahrens ein durchschnittlicher so genannter SNR-Dämmwert (SNR=Single Number Rating) festgelegt. Dieser Wert ermöglicht es, bei einem gemessenen Schalldruckpegel die am Ohr noch wirksame Lärmbelastung zu ermitteln. Gehörschutzmittel sollen mindestens einen SNR-Dämmwert von 17 dB aufweisen. Bei Lärmbelastungen von über 100 dB(A) sind Gehörschutzmittel mit hohen Dämmwerten von über 25 dB zu verwenden, bei den seltenen Extrembelastungen von 110 dB(A) und mehr empfiehlt es sich, zusätzlich zu einem Kapselgehörschützer Gehörschutzstöpsel zu tragen. Dadurch lassen sich hohe Dämmwerte erreichen, wobei die Gesamtdämmung dieser Kombination allerdings kleiner ist als die Summe der beiden SNR-Werte.

Bei der SUVA können branchenspezifische Lärmtabellen mit einer Beurteilung der Arbeitsplätze, Zonen, Maschinen und Tätigkeiten bezüglich des gehörschädigenden Lärms bezogen werden (Telefon 041 419 51 11). Lesenswert und praxisbezogen ist auch die SUVA-Informationsschrift «Der persönliche Gehörschutz» Nr. 66096.d.